Loch für Loch ein Genuss: Floridas Spezialitäten-Meierei in Hawthorne mit Deutschen Wurzeln. Von Gouda bis Havarti, von Baby Swiss bis Feta – John und Nancy Mims setzen voll auf Bio und echte Handarbeit bei ihrer hauseigenen Käse-Produktion. 

Die Gouda-Laiber reifen

Und plötzlich zeigt sich Florida einmal von einer ganz andern Seite. Kein Strand,
kein Meeresrauschen, sondern Wald, Wiesen, Lichtungen. Man könnte beinahe
glauben, man sei im „saftig-grünen Auenland der „Hobbits“. Das nördliche
Zentral-Florida zeigt sich von seiner beschaulichen, aber nicht minder idyllischen Seite. Und mittendrin sogar ein Touch Schleswig-Holstein. So
dürfte der Norden über Gainsville, dem „Gator County“, wohl treffend beschrieben sein. Und als wäre das alles noch nicht ungewöhnlich genug,
liegt auch noch genau dort eine Käserei mit sehr, sehr deutschen Wurzeln.

Die „Cypress Point Creamery“ ist umgeben von Wald, von saftigen Weiden
über die die  Adler fliegen, Rehe weiden oder andere Wild- und Waldtiere
ihr Zuhause haben. Ein inzwischen echtes Florida-Original, zu- gleich eine
Kuriosität und ebenso ein Stück perfektes Handwerk. Doch alles begann in
Wisconsin mit deutschen Kühen.

Denn genau von dort begann die Reise, als die heutige Molkerei- und Käserei-Inhaberin Nancy Mims mit ihren Eltern 1959 in den Norden des Sunshine-States zog – nach Hawthorne. Ihre Mutter, eine Einwanderin aus Schweden, und der Vater, ein Einwanderer aus Deutschland mit irischen Background, bauten eine kleine, bescheidene Scheune. Grundlage des Geschäfts war eine kleine Herde von 30 Holsteinischen Kühen, die für ihre Milch und deren Qualität bekannt sind. Ein bescheidenes, beschauliches aber auch zufriedenes Leben führte die Familie – Vater, Mutter, sieben Kinder und eine kleine Herde Kühe.

Zum Milchbauer auf akademischem Umweg

Nancy auf dem Wochenmarkt

Sollte das alles gewesen sein? Diese Frage stellt sich Nancy und beschloss an der University of Florida den Blick auf ein anderes Berufsfeld zu richten: Sie studierte Krankenpflege. An der Uni lernte sie ihren heutigen Mann John Mims kennen, der Architektur studierte. Doch von diesen beiden Studiengängen zur heutigen Molkerei – das ist ein langer Umweg. Stimmt. Für John kam die Zeit in der Navy, wo er seinem US-Vaterland diente, Nancy arbeitet in Krankenhäusern. Und dann kam der Bruch – zurück nach Hawthorne, den Eltern helfen. Und aus der Hilfe wurde Leidenschaft. Als dann noch Nancys Vater verstarb, war der wohl entscheidende Zeitpunkt gekommen: Nancy und John kauften den Eltern die Farm ab.

Es ging erst mit den Holsteiner und braunen Schweizer Kühen weiter, bis beide sich 1994 zu einem Neustart entschieden. Neue Kühe, nämlich Jersey Kühe, neues Geschäft, neues Glück. Über die Jahre hinweg wuchs die Herde auf 200 Tiere

Anfangs waren es noch Holsteiber Kühe, die die Milchfür die Käserei lieferten

an. Gemolken wird heute immer noch und Milch wird ebenso produziert und verkauft. Aber die Qualität der Milch machte zugleich noch etwas anderes möglich: Denn das hoch qualitative Butterfett der Milch wurde immer wieder gelobt und sogar prämiert. 2009 stiegen die Mims deshalb in die Käseproduktion ein. Ein Zukunft-Business. 2010 war es dann vollbracht: Der erste Gouda wurde hergestellt!

Heute ist die Produktauswahl weitaus größer als vor 17 Jahren. Aber der hauseigene
Gouda ist immer noch das Top-Produkt der „Cypress Point Creamery“. Hergestellt aus
frischer Milch, wird diese erst einmal in einem Bulk-Tank (1) auf rund 2 Grad Celsius
runtergekühlt. Dann werden die benötigten, exakt abgemessenen Enzyme und
Kulturen zugefügt (2). Der Tank wird verschlossen und der Inhalt erhitzt.

Nancy gibt Lab zur Milch

Dies geschieht durch heißes Wasser, das im Inneren der Fasswände zirkuliert (3). Dabei
wird die Temperatur der langsam erwärmten Milch und der PH-Level ständig überwacht
(4).  Im nächsten Schritt werden Salz und Lab (= ein Gemisch aus den Enzymen
Chymosin und Pepsin, welches aus dem Labmagen junger Wiederkäuer gewonnen und
zum Ausfällen des Milcheiweißes bei der Herstellung von Käse benötigt wird.) zugegeben, bis die Milch die nötige Temperatur erreicht und sich verfestigt (5). Mit einer Molke-Gabel
wird die Masse darauf in kleine Quark-Stücke geschnitten (6). Die Molke, der noch flüssige Bestandteil, wird dann vom Quark getrennt. Dieser Quark wird sehr langsam und
niedrig erhitzt. Dabei wird die Masse sanft gerührt. Die Quarkbestandteile kleben dabei immer mehr zusammen und sinken peu à peu auf den Boden (7). Jetzt ist es Zeit, die Molke aus dem Fass abzulassen. Übrig bleibt der fertige Quark (8). Er wird in Formen  gefüllt (9). Nun wird‘s eng für den Quark. Denn die Formen werden in eine Druckluftpresse gegeben, damit die restliche Molke rausgepresst wird und danach die typischen runden Käselaiber geformt werden können. Mit viel Geschick werden die Laiber dabei mehrfach schnell gedreht und weiter gepresst (10). Der Rohkäse reift anschließend in einem Salzbad (11), um dann bei 10-12 Grad Celsius an der Luft getrocknet zu werden (12). Nun ist es bis zum „echten fertigen Käse“ nicht mehr lange hin. Die Käselaiber werden mit einem auf pflanzlicher Basis hergestellten Bezug eingepinselt – zweimal!

Die Creamery produziert diverse Käsesorten

Manche Käse aber reifen auch ohne so eine Schicht und erhalten so eine natürliche Molke-Rinde (13). Mindestens drei Monate oder auch länger reifen die verschiedenen Käsesorten nun (14), bis sie dann – nach mehrfachen Proben – fertig sind, per Hand in entsprechende Stücke geschnitten, vakuumverpackt, abgewogen, mit Preisen  ausgezeichnet und gelabelt werden, damit sie dann in den Verkauf gehen können. Fertig!

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Der Journalist erlernte sein journalistisches Handwerk mit einem zweijährigen Volontariat bei Europas größter Tageszeitung „Bild“. Anschließend arbeitete er dort erfolgreich mehrere Jahre als Polizeireporter, wurde später Nachrichtenleiter bei SAT.1, Chef vom Dienst beim Ski-Magazin und wechselte dann als Chefredakteur zu einem Tochterunternehmen des Heinrich Bauer Verlages, Europas größtem Zeitschriften-Verlag, wo er über Jahre hinweg hochauflagige Titel erfolgreich führte. Ab 2001 verlagerte Eichler den Fokus auf Corporate Publishing, kreierte für Europas größten Finanz-Strukturvertrieb ein Monatsmagazin, welches zur Benchmark in der Branche wurde. Aktuell führt er Hamburgs größte freie Monats-Zeitung, leitet ein weiteres von ihm kreiertes Vertriebs-Magazin im Finanzberatungssektor und arbeitet parallel mit Nachdruck am Erfolg von EASYLIVING.

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